Am Ende kommts doch ganz anders

Ich bin ein Planungsfetischist. Es ist schon besser geworden, aber ich wüsste schon gern, was mich so die nächsten Monate erwartet. Mir ist es nicht wichtig zu wissen, was in 5 Jahren ist, denn bei meiner Umentscheiderei kann da einiges passiert sein bis dahin, aber so, sagen wir, 6 Monate im Voraus ist schon nett.

Nun durfte ich mal wieder erfahren, dass dieses, selbst kurzfristige, Planen für die Katz ist. Ich betreute einen Jungen in der Schule. Gutes Verhältnis, tolles Arbeitsklima, alles prima. Ich komme aus dem Urlaub und schwupps: anderes Kind, andere Schule, da Eltern von Kind 1 nicht mehr mit dem Träger zusammen arbeiten wollen. Ja. Da guckste. Neues Kind und weniger Stunden. Weniger Stunden und weniger Kohle. Nunja, ein zweiter Job muss her. So viel zum Thema planbare Zukunft. Ein großes HaHaHa.

Aber da ich ja hoffnungslos optimistisch bin verfalle ich nur kurz in Schockstarre. Bringt ja nix. Sehen wir es als Chance. Als Chance, Referenzen zu sammeln, als Chance es zu üben sich auf neue Gegebenheiten einzustellen, als Chance zur Flexibilität. Punkt.

Und irgendwie verläuft zwar kaum ein Leben geradlinig, aber auch mit all den Umwegen führt es uns an ein bestimmtes Ziel, dass vielleicht nicht für ewig währt, aber das zumindest für einen bestimmten Zeitraum unsere Heimat sein wird. Wenn ich mir überlege, dass ich bis vor etwa 6 Monaten noch unbedingt in die Buchbranche wollte – Jobs, Ausbildung (wenn auch abgebrochen), Praktika, Volontariat – in letzterem merkte ich dann: es gibt ungefähr nichts, was ich noch weniger gern machen würde, als meinen Tag im Büro zu verbringen.

Aber irgendwo muss das Geld ja herkommen. Ich such mir also was Chilliges als Übergang, bis mir klar ist, was ich eigentlich wirklich will, so beruflich mein ich. Nun ja, der Job in der Schule stellte sich als ganz und gar nicht chillig heraus, er ist sogar sehr nervenaufreibend schon allein wegen der Geräuschkulisse, aber wer hätte es gedacht: voll mein Ding. Und ich wär ja niemals drauf gekommen, dass das genau das ist, was ich die nächsten Jahre machen will, wenn es vorher nicht diese Idee von der Verlagskarriere gegeben hätte. Pah.

Letzte Woche habe ich mit einer alten Schulfreundin telefoniert. Wir mussten unser ganzes Leben quasi im Schnelldurchlauf abhandeln, da wir uns irgendwie aus den Augen verloren hatten, und das, obwohl wir damals echt dicke waren. So mit täglich telefonieren, obwohl man sich schon den ganzen Tag in der Schule gesehen hat. Weiber.

Jedenfalls ist ihr Lebenslauf ähnlich unstet wie meiner, nur hat sie noch krassere Brüche drin. Aber bei ihr ist es auch so: natürlich machst du dir vor allem am Anfang Gedanken, was wohl deine Freunde, deine Familie, deine Kollegen sagen werden. Aber wenn wir nicht zahlreiche Umwege genommen hätte, wären wir heute nicht da, wo wir sind. Nämlich dort, wo wir uns sehr wohl fühlen. Ob das in 10 Jahren noch immer so ist, kann natürlich keiner sagen. Aber alles ist zu irgendwas gut. Es lebe der Moment.

Natürlich gibt es auch die Menschen, die nach dem Schulabschluss sofort eine Richtung einschlagen, bei der sie bis zur Rente bleiben. Glückwunsch. Meins wärs nicht. Und dafür ruckelts im Lebenslauf eh schon zu stark.

Ich war noch nie jemand, der für immer und ewig denselben Job in derselben Position, in derselben Abteilung mit denselben Kollegen (…) mache wollte. Man muss ja nicht vom Pilot zum Schreiner werden um dann zum Kraftfahrer umzuschulen. Aber auch innerhalb einer Berufsgruppe gibt es ja Entfaltungsmöglichkeiten. Zum Glück ändert sich das mehr und mehr und du wirst nicht gleich als total unentschlossen abgestempelt, nur weil du mehrere Sachen ausprobiert hast.

Es lebe die Freiheit, so viel auszuprobieren wie man für richtig hält. Schließlich arbeiten wir noch lange genug, da können noch so einige Wege gegangen und wieder verlassen werden.

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